Quelle: NNP vom 21.07.2026 (von Emily Davies)Quelle: NNP vom 21.07.2026 (von Emily Davies)

Der Hessische Fußball-Verband passt für die Saison 2026/2027 die Regeln an – Das Ziel lautet: mehr Spielzeit

HESSEN. Für die neue Saison 2026/27 hat der Hessische Fußball-Verband (HFV) mehrere Spielregeln angepasst. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft gelten die neuen Bestimmungen bereits. Das erklärte Ziel der Änderungen: mehr „Netto-Spielzeit“. Gleichzeitig sollen technische Hilfsmittel gezielter eingesetzt, Unsportlichkeiten reduziert und der Fair-Play-Gedanke gestärkt werden. Es geht unter anderem um Auswechslungen, Einwürfe, Abstöße, Ausrüstungsvorschriften und den Umgang mit dem Video-Assistenten – der im Amateurfußball allerdings nicht zum Einsatz kommt – sowie den Einsatz technischer Hilfsmittel wie Bodycams für Schiedsrichter. Was heißt das konkret?

Zehn Sekunden zum Verlassen des Feldes

Beim Wechsel wird es künftig strenger: Der Auswechselspieler muss den Platz innerhalb von zehn Sekunden verlassen. Bei mehreren Auswechslungen innerhalb derselben Unterbrechung gilt die Regel für alle betroffenen Spieler. Die letzten fünf Sekunden werden durch einen Countdown vom Schiedsrichter angezeigt. Ausnahmen gelten beispielsweise bei Verletzungen. Eine Verwarnung ist nur in Ausnahmefällen vorgesehen – etwa bei bewussten Verzögerungen.

Wird die Zehn-Sekunden-Frist überschritten, muss der Einwechselspieler warten. Die Auswechslung zählt trotzdem und kann nicht zurückgenommen werden. Erst nach einer Minute und mit Zustimmung des Schiedsrichters darf er ins Spiel.

Auch bei Schmuck und Accessoires wird die Regel präzisiert: Alles, was sich nicht ablegen lässt, muss sicher abgedeckt oder mit Tape fixiert werden. Andernfalls muss es entfernt werden. Bislang war gar kein Schmuck erlaubt.

Fünf-Sekunden-Regel bei Einwürfen und Abstößen

Eine der größten Neuerungen ist der Fünf-Sekunden-Countdown bei Einwürfen und Abstößen. Damit sollen Zeitspiel und unnötige Verzögerungen bei der Wiederaufnahme des Spiels eingedämmt werden. Erkennt das der Referee, fordert er per Pfiff und Handzeichen zur Ausführung auf. Anschließend zählt der Unparteiische sichtbar mit erhobener Hand von fünf Sekunden herunter. Läuft der Countdown ab, ohne dass der Ball ins Spiel gebracht wurde, bekommt der Gegner den Ball. Das gegnerische Team erhält den Einwurf an der ursprünglichen Stelle. Wird ein Abstoß verzögert, bekommt die gegnerische Mannschaft einen Eckstoß zugesprochen – von der Seite, auf der der Abstoß hätte ausgeführt werden sollen.

Der Countdown läuft, wenn beim Abstoß der Ball bereits bereitliegt, ein Spieler beim Einwurf den Ball in den Händen hält oder ein Torhüter beziehungsweise Verteidiger die Fortsetzung des Spiels ohne nachvollziehbaren Grund verzögert – etwa durch wiederholtes Anlaufen, das Verlegen des Balls oder andere Handlungen.

Weitere Regeländerungen für die neue Saison

Darüber hinaus wurden weitere Regeln präzisiert. So kann der Unparteiische künftig auf Vorteil entscheiden, wenn eine Spielfortsetzung zwar nicht korrekt ausgeführt wurde, der Ball aber bereits im Spiel ist. Erzielt ein angreifendes Team ein Tor, nachdem der Schiedsrichter Vorteil laufen lässt, entfällt zukünftig die persönliche Strafe für den Verteidiger. Das bezieht sich nach Regelwerk auf Fouls, die darauf abzielen, eine Torchance zu verhindern, und gilt auch bei einem erfolglosen Handspielversuch des Verteidigers zur Verhinderung eines Treffers.

Anpassungen gibt es zudem beim Schiedsrichterball: Befand sich der Ball bei der Unterbrechung außerhalb des Strafraums, wird dieser künftig an der Stelle ausgeführt, an der das Spiel unterbrochen wurde. Den Ball erhält ein Spieler der Mannschaft, die zum Zeitpunkt der Unterbrechung in Ballbesitz war oder den Ball voraussichtlich erlangt hätte. Ist das nicht eindeutig feststellbar, erhält das Team den Ball, das zuletzt in Ballbesitz war. Greift ein Spieloffizieller oder eine dritte Person ins Spiel ein, erfolgt die Ausführung des Schiedsrichterballs künftig an der Stelle der Berührung beziehungsweise des Eingriffs.

Die Spielregeln 2026/27 sehen außerdem mögliche weitere Änderungen bei der Disziplinierung vor. Dazu gehören unter anderem Platzverweise für Spieler, die bei Gesprächen mit Gegenspielern den Mund bedecken, sowie für Spieler, die aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung das Spielfeld verlassen. Für den Amateurfußball sind diese Anpassungen jedoch nicht vorgesehen.