Pantoffelhelden
Richie (Björn Reitz, rechts) will aus den drei Pantoffelhelden Peter (Andreas Bausch, von links), Friedrich (Norbert Heinz) und Willi (Thomas Schlitt) endlich „richtige Männer“ machen. FOTO: PETER SCHÄFER

Nassauische Presse - Montag, 5. Dezember 2022 von Peter Schäfer

Turbulenzen auf dem Weg vom Pantoffelhelden zum richtigen Mann

NIEDERTIEFENBACH Theatergruppe des VfR bringt ein Stück mit viel Situationskomik auf die Bühne – grandios gespielt

In Niedertiefenbach gibt es eine lange Dorftheater-Tradition. Pandemie-bedingt war es dieses Jahr erst wieder möglich, die „Bretter, die die Welt bedeuten“ zu betreten. Die Theatergruppe des VfR Niedertiefenbach führte dieses Mal das Stück „Club der Pantoffelhelden“ auf, eine Komödie in drei Akten von Hans Schimmel.

Das Laientheaterspiel in Niedertiefenbach war seit 1995 geprägt vom „Boss“ der Truppe Willi Bernhardt, der am 7. Februar dieses Jahres verstorben ist. „Regie führen lag in seiner Natur“, stellte VfR-Vorsitzender in seiner Einleitung zum Theaterstück fest. Bernhardt werde in Niedertiefenbach dauerhaft in Erinnerung mit der Leitung der vereinseigenen Theatergruppe bleiben. Deren Aufführungen am vorigen Freitag und Samstag waren auch dieses Mal restlos ausverkauft mit insgesamt rund 600 Theatergästen.

Nach Bernhardts Tod erklärte sich der langjährige VfR-Vorsitzende Stefan Heinz bereit, als neuer Regisseur und Souffleur das „Theaterruder“ in die Hand zu nehmen, und so konnten im Juli die Proben, die zwei bis drei Mal in der Woche stattfanden, losgehen. Eins vorweg: Jede Probeminute hat sich gelohnt, wussten doch alle Akteure auf der Bühne zu überzeugen.

Tratsch und Kaffeekränzchen

Worum geht es in der Komödie? Hubbele (Thomas Schlitt) und seine Freunde Peter (Andreas Bausch) und Friedrich (Norbert Heinz), die alle gemeinsam in einem großen Mietshaus wohnen, stehen unter den Pantoffeln ihrer jeweiligen „besseren“ Hälften. Neben ihren Jobs haben sie auch die ganzen Hausarbeiten wie zum Beispiel Kochen, Waschen und Bügeln zu erledigen, während Ella (Martina Schneider), Ricarda (Sonja Leber) und Susanne (Sybille Bursky, zum ersten Mal mit dabei) die so gewonnene freie Zeit bei Tratsch und Kaffeekränzchen verbringen und genießen. Kein Wunder, dass sich die drei Männer ein wenig Abwechslung und Verständnis außerhalb des Ehelebens in der „Lauten Grotte“, einem Nachtclub, suchen. Dumm nur, dass sie der Bardame Carmen (Verena Nink) vorgaukeln, dass sie noch Junggesellen sind und diese sie aufgrund einer Umbaumaßnahme in ihrer eigenen Wohnung heimsucht, um sich bei Willi einquartieren zu wollen. So was gibt es natürlich nicht in diesem anständigen Haus! Denn es gibt ja die Hausmeisterin Christine Zausel (Ruth Schlitt, ebenfalls zum ersten Mal mit dabei), die stets ein wachsames Auge auf alles hat, was sich in ihrem Zuständigkeitsbereich abspielt. Ihr Motto: „Gott sieht alles, die Nachbarschaft noch mehr“.

Die Situation für die drei „Pantoffelhelden“ spitzt sich immer mehr zu. Da kann nur noch einer helfen: Richie Naumann (Björn Reitz) – ein, zumindest nach Ansicht der drei Ehefrauen, Macho und Chauvinist, wie er im Buche steht und Kumpel der drei Freunde. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die drei Männer aus dem Joch der Unterdrückung zu befreien. Er hat dafür eigens ein Trainingsprogramm ausgearbeitet, das helfen soll, den Ehefrauen endlich die Stirn zu bieten und echte Männer aus ihnen zu machen.

Minutenlanger Applaus

Das Stück lebt von Streit, Versöhnung, Missverständnissen, Verwechslungen und Alltagshelden. Hat es ein „Happy end“ gegeben? Natürlich, Carmen und Richie finden zusammen, und auch bei den Ehepaaren läuft es von nun an harmonischer ab. Doch bis dahin war es ein langer Weg voller Turbulenzen und Überraschungen. Und so ist in dem Stück viel grandios gespielte Situationskomik enthalten („Du solltest nie eine Frau dabei unterbrechen, wenn sie schweigt“, „Frauen würden ihre Fehler ja zugeben, wenn sie denn welche hätten“).

Besser hätte für die Theaterbesucher ein vorweihnachtlicher Abend gar nicht verlaufen können. Immer wieder erstaunlich, wie viele Laienschauspieler ihre wunderbaren Fähigkeiten unter Beweis stellen, auch angesichts des für viele Akteure auf der Bühne umfänglichen Textes. Stellvertretend sei Thomas Schlitt, ein „alter Theaterhaudegen“, genannt, der mehr als 200 Einsätze während der Komödie zu bewältigen hatte. Und das in bravouröser Form, wie auch Norbert Heinz und Martina Schneider, die ebenfalls schon lange mit dabei sind. Aber auch alle anderen Akteure auf der Bühne sorgten für beste Unterhaltung und viele Lacher beim Publikum, das sich, immer mal zwischendurch und besonders zum Schluss, mit minutenlangem Applaus bedankte.

PETER SCHÄFER