50 Jahre vom Ostseestrand zum Westerwald

 

Der Glücksgriff eines Berliners, 60.000 Buskilometer, Fußballspiele unter erschwerten Bedingungen, Reeperbahn, Rüdesheim, Ostseestrand oder Sachsenhausen, Tanzunfälle, die Schweine von Bauer Frahm, verzweifelte Busfahrer am Pfingstmontag oder die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.Gemeint ist die mittlerweile 50 Jahre andauernde Freundschaft zwischen dem SV Hansühn in Ostholstein und dem VfR Niedertiefenbach.

Wie alles begann?

„Guten Tag, ich heiße Gerbsch, Kurt Gerbsch und bin Vorstandsmitglied des VfR Niedertiefenbach in Hessen. Wir suchen einen Verein für eine Vereinsfreundschaft. Es könnte ja vielleicht ein gegenseitiger Besuch stattfinden, falls Interesse besteht.“

So oder so ähnlich könnte es 1968 geklungen haben als Kurt Gerbsch in Alf’s Gastwirtschaft, oder wie es in Holstein heißt im „Krug“, Vorstandsmitglieder des SV Hansühn angesprochen hat. Der VfR war auf der Suche nach einem Verein mit dem man eine Vereinsfreundschaft eingehen wollte. Konkrete Vorstellungen hatte man wohl nicht und so war es der gebürtige Berliner Kurt Gerbsch der im Rahmen seines Ostseeurlaubs erste Kontakte knüpfen wollte. Ausgerechnet, warum auch immer, im Krug in Hansühn vorstellig zu werden bezeichnet man in Fußballerkreisen wohl als Sonntagsschuss oder Glückstreffer.

Es fand ein erstes lockeres Gespräch statt und man war beiderseits nicht abgeneigt den Worten auch Taten folgen zu lassen. Gesagt, getan. An Pfingsten 1969 machte sich eine Reisegruppe aus Hansühn auf den Weg nach Niedertiefenbach. Trafen sich 1969 noch Menschen die sich zuvor nie gesehen hatten, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht wussten was sie erwartet, bzw. was da von Norden auf sie zukommt, so hat sich dies in den nachfolgenden 50 Jahren grundlegend geändert. Über eine Entfernung von mehr als 600 Kilometern, über die exakte Entfernung gehen die Meinungen auch nach 50 Jahren noch auseinander, sind enge Freundschaften entstanden.

Dass es zwischenzeitlich in der Beziehung kriselte, wie es in jeder Beziehung vorkommen kann, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Sicherlich gab es Fahrten die nicht so stark frequentiert waren wie in den Anfangsjahren und der eine oder andere Skeptiker sagte der Beziehung ein baldiges Ende voraus. Doch Dank des unermüdlichen Engagements vieler Mitglieder beider Vereine ist es gelungen in den letzten Jahren junge Vereinsmitglieder für die Freundschaft beider Vereine zu begeistern.

Private Besuche zu Kirmes, Fastnacht oder anlässlich des Buschfestes in Hansühn, zu Geburtstagen und Familienfeiern sind mittlerweile bei den jungen Leuten an der Tagesordnung. 

Doch die beiden Vereine haben in den 50 gemeinsamen Jahren auch von Menschen Abschied nehmen müssen wie Kurt Gerbsch, die diese Beziehung auf den Weg gebracht und gepflegt haben. Es hieß dann immer auch Abschied zu nehmen von Menschen die einem ans Herz gewachsen, die Freunde geworden waren. Überwogen haben aber die schönen Stunden und beide Vereine sehen der Zukunft ihrer Beziehung gelassen und optimistisch entgegen.

Im Moment geht allerdings der Blick beider Vereine nur bis zu den Pfingstfeiertagen 2019. Der SV Hansühn ist Ausrichter der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Freundschaftsjubiläum bei dem der VfR mit und von vielen Freunden im Norden erwartet wird. Die Anfahrt ist am Samstag, den 08. Juni 2019, die Rückfahrt findet am Pfingstmontag statt. Anlässlich des Jubiläums haben sich die Vereine die eine oder andere Überraschung einfallen lassen. 

Empfangen werden die Gäste am Sportheim wo auch die Quartierverteilung stattfindet. Nach ersten Erzählrunden bereiten sich dann alle bei ihren Gastgebern auf die Festveranstaltung am Abend in der Turnhalle vor.

Der Pfingstsonntag steht ganz im Zeichen der Regeneration nach der langen Busfahrt vom Vortag. Für Interessierte ist ein Ausflug an den, nur wenige Kilometer entfernten, schönen Weißenhäuser Strand geplant, bevor der Sonntag bei einem gemütlichen Grillen am Sportheim ausklingt.

Rückreisetag ist dann der Pfingstmontag an dem sich die Niedertiefenbach nach drei schönen Tagen bei Freunden und einem kommunikativen Frühschoppen im Sportheim von den Hansühnern verabschieden … mit der Gewissheit, dass man sich wiedersieht.

Leider hat es in den vergangenen 50 Jahren zu keiner privaten Beziehung zwischen Mitgliedern der beiden Vereine gereicht. Hier ist man in dem einen oder anderen Fall über hoffnungsvolle Ansätze nicht hinausgekommen. Was nicht ist…

Stefan Heinz

Vorsitzender, VfR Niedertiefenbach

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